Dietmar Half
Dietmar Half
Digitalisierte Gebäude – Konzeption, Planung, Realisierung und Betrieb

"Für die Akzeptanz von Gebäudeautomation sind auch bedienfreundliche Nutzerschnittstellen essentiell. Nur beides zusammen erhöht Komfort, Nachhaltigkeit und Sicherheit."

– Dietmar Half, DIAL

Die Digitalisierung schließt in Form von automatisierten Gebäuden den Bausektor ein. Das spiegelt sich nicht nur im Betrieb, sondern bereits in der Konzeption, Planung und Realisierung von Gebäuden wieder. Trotz Vorteilen wie Komfort, Nachhaltigkeit und Sicherheit ist die Akzeptanz der Nutzer für Gebäudeautomation abhängig von der Möglichkeit, mittels bedienfreundlicher Nutzerschnittstellen bei Bedarf eingreifen zu können.

Der funktionale Systemaufbau für vollautomatisierte Prozesse setzt Grundfunktionen (u.a. Messen von Temperatur) voraus, die sicherstellen, dass definierte Teilfunktionen – z. B. Temperaturmessung, Vergleich mit Sollwert, Anpassung der Temperatur – ausgeführt werden können. Um einen sogenannten Cluster wie Komfort zu erreichen, ist es essentiell, dass alle Komponenten (z. B. Licht, Klima, Temperatur) ineinandergreifen und funktionale Bedingungen erfüllen. Zu diesen zählen eine tageslichtabhängige Beleuchtung, ausreichender Luftwechsel, angenehme Raumtemperatur etc. Diesen Teilbereich bezeichnet man als Raumautomation. Anlagenautomation wird die übergeordnete Anlagensteuerung von beispielsweise Heizung und Belüftung genannt. Die zentrale Softwaresteuerung sämtlicher Prozesse wird als technisches Gebäudemanagement bezeichnet. Für einen bedarfsgerechten Betrieb ist die Abstimmung und Verknüpfung der Anlagen zur Raum- und Anlagenautomation untereinander von großer Wichtigkeit.

Bereits während der Konzeption ist es sinnvoll, Automatismen entsprechend der Funktionsvorgaben des Bauherrn zu spezifizieren. Im Anschluss daran steht die integrale Planung, die eine Gesamtvernetzung über alle Gewerke (u.a. Versorgungs- und Elektrotechnik) gewährleistet. In diesem Zusammenhang kristallisiert sich zunehmend das Berufsbild Fachplaner Gebäudeautomation heraus, dem alle anderen Fachplaner zuarbeiten, um geeignete, automatische Steuerungen zu entwickeln.

Für digitalisierte Gebäude setzt sich das objektorientierte Planen mit BIM (Building Information Modelling) zusehends durch. Mit unterschiedlichen Detaillierungsgraden in verschiedenen Planungsphasen werden von Beginn an z. B. Leuchten 3-dimensional geplant und von den Planern (bei Open BIM) in das Gesamtkoordinationsmodell eingefügt. Unter anderem können eventuelle Kollisionen der Gewerke hier sofort erkannt und die Ziele des Bauherrn aufgrund der genaueren Planung besser erfüllt werden. Zudem eröffnet BIM die Möglichkeit, Produktspezifikationen, Geometrie, Betriebsdaten und Betriebslogik (z. B. Lichtszenen) zu hinterlegen, was von Gebäudebetreibern als großer Vorteil gesehen wird.

Bei mittleren bis größeren Objekten ist es oft sinnvoll, die Ausführung und Systemintegration (inklusive Wartung) bei der Realisierung in einer Hand zu lassen. Dabei ist sowohl die Zuweisung von konkreten Aufträgen an den Systemintegrator wichtig, als auch ausreichend Zeit für die Verknüpfung und Abstimmung sämtlicher Prozesse. Nach der Inbetriebnahme stehen die gesammelten Daten der Betriebsgeräte zur Verfügung, um u.a. mittels KPIs (Key Performance Indicators) die Gebäudeautomation zu überwachen, analysieren und gegebenenfalls anzupassen. Ebenso sinnvoll ist ein regelmäßiges Audit durch Drittanbieter, um sicherzustellen, dass die Effizienz sich nicht durch ausfallende Komponenten verschlechtert. Im Falle eines Austauschs bzw. einer Modernisierung des Systems ist das Einpflegen dieser Daten in BIM durch eine verantwortliche Stelle essentiell.

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